Deine Beförderung wurde abgelehnt. Was jetzt?

von Stefan Günzinger

Beitrag von Steve Willis | Vice President, Professional Services bei VitalSmarts.

Deine Beförderung wurde abgelehnt. Was jetzt?


Lieber Steve,
vor kurzem wurde meine Beförderung zum Direktor abgelehnt. Meine Chefin erklärte mir, die Entscheidung sei von anderen am Beförderungsprozess Beteiligten getroffen worden. Sie versicherte mir, dass sie mich befördert hätte, wenn die Anderen mich für diese Stelle vorgeschlagen hätten. Ich bat sie daraufhin um ein klärendes Gespräch, weil es mir so vorkam, als würde sie nicht zu ihrer Entscheidung stehen. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass sie nicht ehrlich zu mir war. Gleich zu Beginn als die Stelle frei wurde, war sie es gewesen, die mich dazu ermutigte, meine Bewerbung einzureichen.

Ich hatte sie daran erinnert, dass sie mir ein Jahr zuvor mitgeteilt hatte, das ich ein sehr guter Manager sei, aber noch nicht soweit, Direktor zu werden. Sie entgegnete, dass seit jener Zeit zwölf Monate vergangen wären und ich mich mittlerweile bewährt hätte. Darüber hinaus gab sie mir in meiner jährlichen Leistungsbeurteilung die bestmögliche Bewertung. Jetzt aber meint sie, ich solle ein weiteres Jahr einfach so weitermachen wie bisher. Seit dieser kritischen Aussprache redet sie kaum mehr mit mir.

Wie soll ich damit umgehen?

Unterzeichnet,
Weißnichtweiter

Lieber Weißnichtweiter,
Du steckst fest und ich denke, viele andere stecken auf eine sehr ähnliche Weise fest. Wenn man die von Dir beschriebene Situation liest, scheint es, dass Du in eine Lage gekommen bist, in der Du nicht weiter wusstest, Dich aber getraut hast dies anzusprechen. Leider war das Resultat Deiner Aussprache, dass Du nicht weniger, sondern jetzt sogar, auf eine ganz andere Weise, noch mehr feststeckst.

Du bist auf eine der größten Herausforderungen gestoßen, die der Versuch über potenziell nicht diskutierbare Themen zu sprechen, mit sich bringen kann. Während man nicht verhandelbare Themen anspricht, tauchen neue nicht verhandelbare Themen auf. Aus diesem Grund werden diese Art Auseinandersetzungen sehr schnell sehr knifflig. Schließlich hängt der größte Teil der Zufriedenheit am Arbeitsplatz, vom Verhältnis zum Vorgesetzten ab. Wenn Du Dich also in einer solchen Situation wiederfindest, möchte ich Dir ein paar Ideen aus unserem Programm „Heikle Gespräche“ vorstellen, die Dir weiterhelfen können.

Wende unsere IVB Methode an. IVB steht für Inhalt, Verhaltensmuster und Beziehung und repräsentiert verschiedene Arten von Problemen, die in jedem Gespräch adressiert werden können. Ein Inhaltsproblem ist ein Einzelfall und sollte bestenfalls unmittelbar, wenn das Problem zum ersten Mal auftritt, angesprochen werden.

Probleme auf der Verhaltensmuster-Ebene, sind dadurch charakterisiert, dass Streitigkeiten bezüglich des Inhalts über einen längeren Zeitraum andauern. Mit Beziehungsproblem ist gemeint, das sich die Art und Weise, wie man sich auf eine andere Person bezieht, verändert hat. Oftmals resultieren Beziehungsprobleme aus Verhaltensmuster-Problemen, die nicht geklärt wurden.

Die meisten ständig wiederkehrenden Probleme, die Menschen haben, sind nicht – ich wiederhole – nicht inhaltlicher Art. Die meisten Schwierigkeiten finden auf der Verhaltensmuster- oder Beziehungsebene statt, oft mit einer starken Tendenz zur Beziehungsebene.

Schauen wir uns Deine Situation an. Worum geht es Dir inhaltlich? „Meine Beförderung“, würdest Du sagen und damit hast Du recht. Das ist noch einfach. Ab jetzt wird es schwieriger.

Über das Nichterhalten der Beförderung zu sprechen, wäre ein berechtigtes Anliegen gewesen. Du hast Dich jedoch für ein bedeutungsvolleres, aber sehr riskantes Thema entschieden, nämlich das mangelnde Vertrauen in die Fähigkeit Deiner Managerin, ehrlich zu Dir zu sein. Das ist ein Beziehungsproblem. Du hast IVB richtig angewendet, indem Du aufgrund Deines Gefühls festgefahren zu sein, von Inhalt zu Beziehung gewechselt bist. Was sich jedoch durch Dein Gespräch hätte lösen sollen, fühlt sich jetzt noch festgefahrener an. Vermutlich kommt es Dir so vor, dass Du dafür bestraft worden bist, etwas sehr Wichtiges angesprochen zu haben.

Du stehst jetzt vor einem neuen Beziehungsproblem. Die meisten Menschen würden daraufhin einfach abwarten, in der Hoffnung, dass sich die Situation mit der Zeit verbessert. Manchmal funktioniert die Strategie „Aussitzen“. Meiner Meinung nach tut sie es aber meist nicht. Stattdessen schlage ich vor, entweder die Fähigkeiten aus dem Bereich „Start in den Dialog“ (Heikle Gespräche, Kapitel 7) oder aus dem Bereich „Die andere Seite verstehen“ (Heikle Gespräche, Kapitel 8) anzuwenden.

In Deinem Fall sehen wir uns einen gemischten Ansatz an, so bekommst Du einen Eindruck davon, wie beide funktionieren.

Vielleicht solltest Du damit beginnen, Fakten (die Dir bekannt sind) mitzuteilen. Bekannte Fakten zu benennen, ist eine Komponente aus „Start in den Dialog“:

Seit wir das letzte Mal über die Beförderung gesprochen haben scheint es, dass wir weniger als früher in Kontakt waren. Vor unserem Gespräch haben wir uns zwei- bis dreimal am Tag ausgetauscht. Jetzt scheint es, dass wir nur dann reden, wenn ein Projekt oder eine Aufgabe dies erfordert.“ (Beschreibung). „Dies scheint mit unserem Gespräch über mein Vertrauensverhältnis mit Ihnen zusammenzufallen. War es ungut für Sie, wie das Gespräch gelaufen ist ?“ (Erkundung – eine Fähigkeit aus dem Kapitel „Die andere Seite verstehen“).

Diese beiden Methoden sind sehr gut miteinander kombinierbar. Wenn Du die Methoden des Beschreibens richtig einsetzt, führen sie Dich auf natürliche Weise ins Erkunden. Das gilt umgekehrt genauso, wenn Du gut im Erkunden bist, schaffst Du die Voraussetzung, um Deine Beobachtung effektiv vermitteln zu können (Beschreibung).

Nachdem Du das Konzept verstanden hast, empfehle ich Dir eigene Formulierungen anzuwenden, die Deinem persönlichen Empfinden und Stil entsprechen. Ich hoffe die IVB-Methode bietet Dir Möglichkeiten, das Problem mit Deiner Chefin zu lösen. Vergiss nicht zu erwähnen, dass der Hintergrund, warum Du das Thema ansprechen möchtest, Deine positiven Absichten sind. Wenn Du Deiner Chefin Deine Motivation für das Gespräch klar machen kannst, wird dies negative Annahmen ihrerseits verhindern.

Alles Gute,
Steve

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