Wie leitet man ein Team, das sich in ständigem Streit befindet? Frag Madeleine!

von Stefan Günzinger

Beitrag von Madeleine Homan Blanchard

Wie leitet man ein Team, das sich in ständigem Streit befindet? Frag Madeleine!

Liebe Madeleine,

vor kurzem habe ich eine Stelle in der Konstruktionsabteilung eines Fertigungsunternehmens begonnen. Ich leite dort zwei verschiedene Teams. Eines der Teams läuft reibungslos, das andere ist eine Katastrophe.

Das „Katastrophenteam“ ist in ständigem Streit, in einem Maße, dass einige Teammitglieder nicht einmal mehr miteinander sprechen. Die Arbeitsergebnisse sind zwar noch kein völliges Desaster, aber es entwickelt sich dahin. Beide Teams führe ich auf die gleiche Weise, weil ich nicht weiß, was ich anders machen sollte. Was kann ich tun?

Eine Geschichte zweier Teams

Liebe 'Geschichte zweier Teams',

Wow. Erstmal die gute Nachricht: Du bist nicht für die Entstehung des Chaos verantwortlich. Die schlechte Nachricht ist, ein dysfunktionales Team wieder in Ordnung zu bringen, ist wirklich schwierig. Trotzdem gibt es einiges, was Du tun kannst – und alles, was Du aus dieser Erfahrung lernen wirst, wird Dich weiterbringen.

Es klingt so, als ob Du mit der Aufgabe ein besserer Teamleiter zu werden, ganz auf Dich gestellt bist. Das ist leider keine Seltenheit, wie unsere Forschung zeigt:

  • Über die Hälfte der Arbeit wird in Teams erledigt. Die meisten von uns sind immer in fünf oder sechs Teams eingebunden. Auf diese Weise werden die kompliziertesten Aufgaben gemeistert.
  • Die Mehrheit der Teams funktionieren nicht gut – lediglich 27 Prozent der Teammitglieder halten ihre Teams für leistungsstark.
  • Nur eine von vier Personen fühlt sich von ihrem Unternehmen gut genug ausgebildet, um Teams leiten zu können.

Die größten Hindernisse für gute Teamarbeit sind uns allen bekannt. Teams scheitern hauptsächlich aus folgenden Gründen:

  • Unklarer Zweck und/oder unklare Ziele des Teams
  • Nebulöse Rollenverteilung und uneindeutige Entscheidungsrechte
  • Mangelnde Verantwortlichkeit (einige bringen Leistungen und andere nicht) – das führt zu Groll
  • Mangelnde Ehrlichkeit und Offenheit – das verhindert konstruktive Konflikte
  • Mangelndes Tracking – Errungenschaften und Fortschritte werden nicht gefeiert

All diese Störfaktoren untergraben das Vertrauen und die Zusammenarbeit. Es überrascht nicht, dass Unklarheit der ultimative Faktor in zerrütteten Teams ist. Betrachtest Du Dein funktionierendes Team genau, wirst Du feststellen, dass seine Mitglieder sich klar sind über Zweck, Ziele und Verhaltensnormen ihres Teams und dass sie wissen, wie man Probleme und Meinungsverschiedenheiten löst. Beginne damit, an diesen Themen mit dem "Katastrophenteam" zu arbeiten. Mache dem Team deutlich, dass sie sich in einer Krise befinden und fordere alle auf, quasi von vorne anzufangen, indem sie Klarheit über alle oben genannten Bereiche schaffen.

Google hat eine Studie mit gut funktionierenden Teams durchgeführt, die Dir helfen könnte. Sie fanden die wichtigsten Elemente für leistungsstarke Teams heraus:

  • Psychologische Sicherheit: Die Teammitglieder fühlen sich sicher, alles aussprechen zu können, Ideen auszutauschen und Risiken einzugehen, ohne Angst davor haben zu müssen, bloßgestellt, bestraft oder verurteilt zu werden.
  • Zuverlässigkeit: Die Teammitglieder können sich aufeinander verlassen, weil sie tun, was sie sagen, weil sie das, was sie sagen, ehrlich meinen und weil sie sich gegenseitig den Rücken stärken.
  • Struktur und Klarheit: Jedes Teammitglied ist sich über seine/ ihre individuellen Ziele und Aufgaben im Team, sowie die übergreifenden Ziele im Klaren.
  • Sinnhaftigkeit: Jedes Teammitglied muss einen eigenen emotionalen Bezug zu seiner/ihrer Arbeit oder den Ergebnissen der Arbeit finden. Das ist für jedes einzelne Teammitglied anders.
  • Wirkung: Jeder/ jede Einzelne und das Team im Ganzen müssen eindeutig erkennen können, wie sich ihre eigene Arbeit auf die Arbeit des Teams und die strategischen Ziele des Unternehmens auswirken.

Als Teamleiter/in kannst Du psychologische Sicherheit schaffen und erhöhen, indem Du Vorbild für bestimmte Verhaltensweisen bist, die Du für Deine Teammitglieder anstrebst.

  • Achte auf jede/ jeden Einzelne/n, wende die Methode des Aktiven-Zuhörens an, unterbrich nicht und schenke allen Beiträgen Deine Wertschätzung!
  • Sei 100 % präsent und engagiert, wenn Du mit Deinem Team interagierst!
  • Sei zugänglich, teile auch etwas über Dich selbst mit und ermutige andere, dasselbe zu tun!
  • Binde alle Teammitglieder in die Entscheidungsfindung ein und erkläre Deine endgültigen Entscheidungen im Detail, damit es für alle nachvollziehbar wird!
  • Zeige, dass Du schlechtes Verhalten nicht tolerierst, indem Du einschreitest, wenn es vorkommt!

Alles hängt von Dir ab. Psychologische Sicherheit zu schaffen ist eine komplexe Herausforderung, daher empfehle ich Dir, beginne mit den Verhaltensweisen, die Du selbst für sinnvoll hältst und die Dir leicht fallen. Dann sorge für Klarheit, Klarheit, Klarheit und nochmals Klarheit. Meine Erfahrung sagt mir, dass Du höchstwahrscheinlich eine Person im Team hast, die vom Chaos profitiert und die diese verworrene Situation beibehalten will. Kennst Du das Sprichwort: "Ein fauler Apfel verdirbt den ganzen Korb." Wenn das in Deinem Fall zutrifft, wird es aufgedeckt, indem Du für Klarheit sorgst. Dann kannst Du die betreffende Person aus dem Team nehmen. Trifft es nicht zu, sorgt mehr Klarheit dafür, dass die Reibereien im Team weniger werden und mehr Balance entsteht.

Alles Liebe,
Madeleine

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